Kleine Behindernisse: Leben als Mama im Rollstuhl – Das Kind kommt nie alleine

Das neue Schuljahr und das Kindergartenjahr haben begonnen. So ganz langsam hat sich alles eingeruckelt und der Alltag ist wieder eingekehrt. Zumindest bei uns. Jetzt kommen die ersten Veranstaltungen uns Besonderheiten in diesem Schuljahr. Und was geschieht?

Genau, ich werde vergessen.

Ich, die Mama im Rollstuhl.

Ich, die behinderte Frau.

Ich, die Mama meiner Söhne.

 

Warum?

Der Elternabend des Schulkindes findet im Klassenzimmer statt. Das Klassenzimmer ist im 1. Stock der Schule – natürlich ohne Aufzug. Dass das Klassenzimmer dort oben ist, hat bei meinem Kind bereits vor den Ferien zu Tränen geführt, denn ihm war klar, dass ich sein Zimmer so, nie sehen kann (unabhängig von Corona), dass ich ihn nie aus der Klasse abholen werden könne und vieles mehr. Natürlich ist mir bewusst, dass ein Drittklässer nicht mehr von seiner Mama zur Schule gebracht wird und das man Lehrergespräche auch im Erdgeschoss halten kann. Doch für meinen Sohn war das schlimm. Ein schlimmes Gefühl, dass ich, als seine Mama, gar nicht erst die Möglichkeit habe, das zu sehen. Das er dies nicht mit mir teilen kann. Und das: „obwohl unten auch Zimmer frei sind.“ Versteht mich nicht falsch, ich erwarte nicht, dass eine Schule ihre Raumplanung danach gestaltet ob ein Elternteil das Klassenzimmer erreichen kann.

Dennoch hat es etwas mit meinem Kind gemacht. Und obwohl alle Beteiligten wissen, dass ich den Rollstuhl benutze, findet der Elternabend im Klassenzimmer und nicht in der Turnhalle statt. Auf Nachfrage bekam ich nur die Antwort, dass das Kind ja auch einen Vater habe, der den Elternabend besuchen kann. Genau. Hat es. Und der Papa wird dort hin gehen. Dennoch bleibt es dabei, dass ich dadurch ausgeschlossen werde und mein Mann und ich gar keine Wahl haben, wer dort hin gehen wird.

 

Anderes Kind, anderes Thema:

Im Kindergarten stehen zum ersten Mal die Waldtage an. Ich finde das großartig. Unser Januarwunder geht noch nicht sonderlich lange in die Kita und auch noch nicht die volle Zeit – einfach weil er es nicht schafft. Er wird also jeden Tag 2 Stunden vor allen anderen Kindern abgeholt. Da jetzt Waldtage anstehen und diese in einem besonderen Wald stattfinden, müssen die Kinder morgens direkt dort hin gebracht werden und dort auch wieder abgeholt werden. Ich finde das großartig. Und doch hatte ich auch hier wieder etwas zu meckern. Der Treffpunkt liegt ca. 5 km vom Kindergarten entfernt. Das bedeutet für mich, wenn ich mein Kind nun dort hinbringen muss (es sind nur 3 Tage, I know) sind das 10 km morgens und nachmittags. Über Feldwege und Wald. Mein Rollstuhl kann voll aufgeladen eine maximale Strecke von 12 km fahren. Passt also gerade so, wenn ich ihn dazwischen aufladen kann. Das wird sehr spannend. Natürlich könnte ich eine Fahrgemeinschaft bilden, jedoch hat das Januarwunder zum aktuellen Zeitpunkt noch zu niemandem eine so enge Bindung, dass er da im Auto mitfahren würde. Also bleiben mir zwei Optionen: versuchen ihn selbst zu bringen oder jemanden aus unserem direkten Umfeld finden, der ihn fahren kann. Denn die dritte Option wäre, dass er auf Grund meiner Behinderung nicht an den Waldtagen teilnehmen kann und das ist schlichtweg keine Option.

Ob ich erwarte, dass die Erzieher:innen das berücksichtigen?

Ich hätte erwartet, dass man mich anspricht und fragt, ob das für uns möglich ist. Oder das man jetzt beim ersten Mal vielleicht in den Wald geht, der in der unmittelbaren Nähe ist. Oder …..

 

Was ich mit diesem Beitrag sagen möchte ist:

Eltern mit Behinderungen sind Eltern. Wir gehören zu unseren Kindern. Wir gehören zum System, welches sich um das Kind dreht. Auch wenn wir nicht unmittelbar in der Zusammenarbeit mit den Fachkräften stehen, finde ich, dass man das drum herum um unsere Kinder nicht vergessen darf. Es kommt nie nur das Kind in eine Einrichtung:

Das ist nicht nur bei Behinderung der Fall, sondern auch bei der Geburt eines Geschwisterkindes, Trennung der Eltern, Alleinerziehenden, Inklusion, Tod, Trauer, Religion und noch vielem mehr.

Denn das sind nun nur zwei simple Beispiele. Bei jedem hat es eine Lösung gegeben. Aber dennoch ist es so, dass man mit einem einfachen, kurzen Gespräch hier viel erreichen kann und den Familien vermittelt: Ich sehe euch.

 

 

Eure 

wheelymum

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