Eltern mit Behinderungen: Meine Geschichte und vielleicht etwas Ausstausch

Eltern mit Behinderungen

Manchmal erreichen mich solche wunderbaren Mails wie die von Anne. Sie berichtet über ihre Leben als Mama und gleichzeitig sucht sie Austausch mit anderen Eltern. Genau dafür ist wheelymum und auch die Blogreihe da.

 

 

Vor einiger Zeit habe ich mich direkt angesprochen gefühlt, von dem Blog. Gerne möchte ich auch meine  Geschichte “loswerden “, vielleicht ergibt sich ja ein Austausch oder einfach ein Text für andere Betroffene.

Auch ich habe eine seltene neurologische (oder rheumatische, sicher ist sich niemand) Erkrankung. Seit über 20 Jahren weiß keiner, was es ist, aber ich komme grds ganz gut damit klar – inzwischen teils im Rolli, teils mit Gehhilfen.
Vor der Schwangerschaft haben wir dann auch sämtliche Ärzte zu ihrer Meinung befragt, niemand konnte uns natürlich richtig sicher etwas sagen, aber “um Gottes Willen ” oder “sind Sie sich sicher?” hat auch niemand verlauten lassen. Also haben wir uns entschlossen, das “Risiko ” einzugehen. Die Schwangerschaft verlief dann auch weitestgehend normal und ein Kaiserschnitt war auch von vornherein geplant, so dass es mich nicht ganz plötzlich traf, als unser “Männlein ” in der 36. wegen drohender Komplikationen bei mir geholt werden musste. In der Klinik waren wir obenhin schon von Beginn der Schwangerschaft an zur Co-Betreuung, was auch wunderbar geklappt hatte. Dennoch merkte ich dann auf der Station, dass ich nun auf einmal weitaus mehr auf Hilfe angewiesen war und sein würde als ich es bisher war – irgendwie schwer zu akzeptieren, wenn man bisher nie das Gefühl von Abhängigkeit hatte. Damit habe ich auch immer noch, acht Wochen später, zu kämpfen. Auf der Station war ich dann auch ein echter “Sonderfall ” für alle. Es hat super funktioniert, aber hätte mein Mann nicht auch dort bleiben können, weiß ich nicht, wie wir das hätten machen sollen. Zu Hause musste ich mich dann auch erstmal noch von Kaiserschnitt und abschließender OP erholen, so dass mein Mann, der glücklicherweise zwei Monate Elternzeit hatte, vieles alleine übernommen hat. Was damals schon schwer war, finde ich jetzt, da ich eigentlich wieder fit bin, noch schwerer. Es geht eben doch bei Weitem nicht alles alleine und man geht nicht, wie gesunde Mütter vielleicht, “mal eben ” spazieren, einkaufen oder zu Babykursen. Das ist eigentlich das, was mir derzeit am Meisten zu schaffen macht und über einen Austausch, wie man es vielleicht schaffen kann, dies zu akzeptieren und Lösungen zu finden, wäre ich sehr froh- sicher gibt es Tipps und Tricks. Bisher gab es eigentlich auch immer Lösungen…
Ansonsten ist der Alltag bei uns wahrscheinlich auch nicht so, wie “normalerweise “, aber ich denke, zu Dritt klappt es ganz gut und unser Sohn wird so normal wie möglich versorgt (Tragen geht eben nur bei meinen Mann, ich schiebe den Kleinen durch die Wohnung und so weiter). Aber es funktioniert und sicher gibt es inzwischen diverse Hilfsmittel und Unterstützungsangebote (Ich bin allerdings nicht der Typ für einen Assistenzdienst, der meine Beine ersetzt- wenn möchte ich so viel wie möglich selber schaffen und hoffe, dass man es mit der Zeit akzeptieren kann, dass “mal eben alleine ” nicht geht bzw. dass man Lösungen finden und Hilfe annehmen kann.


Und bei aller Umstellung und den Alltagsschwierigkeiten ist trotzdem jeder Tag wunderbar und ich würde  mich immer wieder gleich entscheiden.
Der Blog hat mir auf jeden Fall schon gezeigt, dass es Mütter mit ähnlichen Problemen gibt und ich habe mich und unsere Situation in vielen Texten wiedergefunden.

Viele Grüße
Anne

wheelymum

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1 Kommentar

  1. Annett

    Vielen lieben Dank für den schönen Text. Meine Schwangerschaft liegt jetzt schon mehr als 20 Jahre zurück, doch als ich das hier las, kam es mir vor, als sei es gestern erst gewesen.
    Ich bin auch eine „WheelyMum“, habe aber eine angeborene Sache (AMC), die eh niemand kennt. Meine Schwangerschaft verlief sehr gut, aber natürlich nicht normal und wie das alles war, das würde jetzt hier den Rahmen einer Antwort sprengen.
    Baby tragen konnte ich auch nicht, die Wickel/Trage-Tücher waren mir viel zu lang und dann hab ich einfach eine viel zu große Jacke besorgt, in die ich ihn vorne rein steckte. Da ich ohnehin immer sitze, konnte er auch nicht nach unten rausfallen. Das hat prima geklappt bei uns beiden.

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