Wozu benötigen Sie 2 Rollstühle – Hilfsmittelversorgung

Erstellt am 13. April 2016

Wir leben in Deutschland in einem Sozialstaat und dafür bin ich sehr dankbar. Aber muss ich mir deswegen alles gefallen lassen? Muss ich mich für alles immer und immer wieder rechtfertigen?  Wie weit sind Gesetzte und die Wirklichkeit von einander entfernt?

Diese Fragen habe ich mir in den in den letzten Monaten immer und immer wieder gestellt. Vor mehr als 2 Jahren stand bei mir ein Wechsel der Krankenkasse an. Von meiner alten Kasse habe ich einen faltbaren Aktivrollstuhl im Jahr 2010 bekommen. 3 Jahre war dieser kleine roter Flitzer mein ständiger Begleiter. Er hat mir neue Lebensräume erschlossen.

2013 hatte eich einen neuen Schub es es ging mir körperlich wesentlich schlechter. Ich konnte den Aktivrollstuhl nicht mehr selbst bedienen, da hier zu viel Bewegung aus dem Oberkörper gesehen musste, um den Rollstuhl in Schwung zu bekommen. So habe ich in diesem Jahr einen Elektrorollstuhl erhalten. Den Aktivrollstuhl durfte ich behalten.

Von da an hatte ich für draußen den Elektrorollstuhl und in der Wohnung den kleineren Aktivrollstuhl in der Wohnung. Zusätzlich konnte dieser kleine rote Rollstuhl wunderbar mit 2 Griffen zusammengefaltet werden und mit jedem Auto transportiert werden, Damit waren wir nicht auf die großen Autos angewiesen, sondern ich konnte z.B. auch einfach mal auf ein Konzert oder mit meiner Freundin einen Kaffee in der großen Stadt trinken gehen. Ich konnte den Rollstuhl außerhalb der Wohnung zwar nicht mehr selbst bedienen, aber ich konnte darin geschoben werden und er war zum Großteil dafür verantwortlich, dass mein soziales Leben weiterhin stattfinden konnte.

2 Rollstühle

 

Nun fand ein Kassenwechsel statt. Die Gründe hierfür waren vielfältig. Der Vorgang ist hier so, dass eine Krankenkasse der anderen dann die Hilfsmittel abkauft. Meine neue Kasse wollte, der alten Kasse die Rollstühle nicht abkaufen. Der Grund hierfür sei eine sogenannte Doppelversorgung. Sie wollten mir lieber einen neuen Rollstuhl genehmigen. Dieser müsste dann neu ausgemessen werden und danach extra für mich produziert werden.  Dieser neue Rollstuhl soll sowohl für den Innen -.und Außeneinsatz geeignet und zerlegbar sein. Somit würden auch die Treppenstufen im Haus kein Hindernis mehr darstellen.

Dieser Rollstuhl kann problemlos auseinandergebaut, die Treppe heruntergetragen werden und unten mit einfachen Handgriffen wieder zusammengebaut werden.“

So die Theorie. Das dies in der Praxis bedeute, dass ich immer einen Menschen brauche, der den Rollstuhl auseinander und wieder zusammenbaut wurde ignoriert. Ich habe in meinem Widerspruch, der im Oktober 2015 geschrieben wurde, angegeben, wenn Junior in den Kindergarten kommt, dann müsste – ohne Assistenz – der Rollstuhl 16x täglich auseinander und zusammengebaut werden.

Eine weitere Begründung war, dass ich den Aktivrollstuhl weiterhin benötige war mein Sozialleben. Der neue Rollstuhl ist zwar zerlegbar aber sehr, sehr schwer und wesentlich größer als der kleine Aktivrollstuhl. Ohne eine Genderdebatte starten zu wollen – aber um ihn zu tragen oder ins Auto zu verfrachten, braucht man einen starken Mann. Somit ist meine Freiheit und Selbstbestimmung noch weiter eingeschränkt. Ein Ausflug mit einer Freundin und den Kindern nicht mehr möglich. Auch diese Begründung wurde gleich abgeschmettert:

Eine Krankenkasse ist für die Hilfsmittelversorgung zuständig. Für den Transport der Hilfsmittel aber nicht. Hier muss der Patient für geeignet Fahrzeuge sorgen.“

Der Hauptgrund für meinen Widerspruch wurde vom Sanitätshaus und den Ärzten getragen: Der neue Rollstuhl, hat lediglich Gummireifen. Mit den Gummireifen, kann ich auf der Straße nicht fahren, da die Erschütterungen in meinem Rücken solche Schmerzen auslösen, dass ich mich übergeben muss.

Eigentlich dachte ich das die Begründungen ausreichen. Leider war dem aber nicht so und die Kasse hat den Medizinischen Dienst der Krankenkassen zu und geschickt um die Sachlage zu überprüfen.

Und dieser Mensch,… ich weiß gerade nicht was ich schreiben soll. Ich habe mir extra ein paar Wochen Zeit gelassen, aber so ganz sachlich kann ich leider nicht bleiben. Vorneweg: Er hat alle der Punkte im Bereich Behindertenbasshing erfüllt ohne auch nur einmal mit der Wimper zu zucken. Und das als Arzt und unabhängiger Gutachter. Hier lasse ich Gründe wie Angst oder Unsicherheit einfach nicht zählen.

Zur Begrüßung habe ich im meine Hand entgegenstreckt und er hat sie ignoriert. Das hatte keine Hygienischen Gründe, denn dem Herzmann und meiner Unterstürzung vom Pflegedienst, hat er die Hand gereicht.

Er meinte er müsse hier etwas besprechen, wegen einer Doppelversorgung. Ich habe ihn an den Tisch gebeten und er lehnte mit den Worten ab:

„Nein, da sitzt ein Kind.“

Ich habe ihm gesagt, dass dieses Kind dazu gehört und wir uns in seinem Beisein unterhalten können. Junior war zu diesem Zeitpunkt sehr anhänglich. Darauf hin meinte der nette Herr Doktor:

Wie das gehört dazu? Sie haben ja wohl keine eigenen Kinder“

Ich hätte ihm ins Gesicht springen können. Welche Unverschämtheit und welche Bevormundung. Ich antwortete so gelassen wie möglich. Das ist unser Sohn und er gehört zu uns. Entweder wir besprechen die Punkte hier oder nicht.

Nach 10 Minuten war der Besuch beendet, ohne das wir eine Einschätzung erfahren haben. Danach warteten wir ein paar Wochen auf eine Rückmeldung. Diese kam nun am letzten Wochenende. Es wird die Notwenigkeit des Rollstuhles eingesehn, aber nicht mein vorhandener soll weiter genutzt werden, sondern ich soll eine Neuversorgung bekommen. Warum? Der Rolli und ich sind ein eingespieltes Team. Eine Neuversorgung hat keinerlei Nutzen. Aber nun gut. Weiter im Text stand dann folgendes:

Die Kostenübernahme des ebenfalls vorhandenen AKtivrollstuhls ist nicht möglich. Das Verladen eines Hilfsmittels in den PKW geht über die Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkasse hinaus. „

Ich bin mir dessen durchaus bewusst, jedoch habe ich auch als Mensch mit Behinderung einen Anspruch auf Teilhabe und auf ein gesellschaftliches Leben. Ohne diesen kleinen wenidigen ktivrollstuhl, ist er mir wirklich nur noch möglich, außschließlich mit meinem Mann irgendwo hin zu gehen. Versteht mich nicht falsch, ich liebe meinen Mann. Aber ab und an mal etwas alleine ode mit anderen Menschen zu unternehmen hat noch niemandem geschadet. Und er braucht einfach auch ab und zu mal eine Pause. Und aus diesem Grund, werde ich nun weiterkämpfen. Um meinen Rollstuhl, um mein selbstbestimmtes Leben, um meine Rechte und daraum, dass auch solche Unverschämtheiten wie die von dem Arzt des MDKs nicht einfach so hingenommen werden müssen.

 

Ich bin es so leid, von Menschen und Behörden und nicht als eigenständige Person und auch nicht als Mutter wahrgenommen zu werden. Hätte ich den Blog nicht bereits begonnen, so würde ich ihn wahrscheinlich spätestens jetzt beginnen.

 

wheelymum

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