Urlaubslektüre

Hach, wie ich den Sommer liebe. Und wie ich Bücher liebe. Ich lese gerne quer Beet, auch mehrere Bücher gleichzeitig. Neben Fachliteratur auch Erziehungsratgeber und Lebensgeschichten. Ab und an historisches und für mein Leben gerne Thriller. Im Sommer, da freue ich mich aber immer ganz besonders auf leichte manchmal sogar etwas kitische Bücher, mit einfacher Handlung, humvorvoll und gerne mit Happy End.

Aus diesem Grund möchte ich euch heute meine Urlaubslektüre vorstellen, vielleicht ist für den ein oder anderen von euch da ja auch das passende Buch dabei. (Der Beitrag enthält Links zum Partnerprogramm)

Für immer ist die längste Zeit*

Dieses Buch ist traurig, humorvoll und tiefsinnig. Und das alles auf ein paar hundert Seiten verpackt. Aber zum Inhalt:

Maddy scheint alles in ihrem Leben im Griff zu haben. So der Schein. Maddy nimmt sich das Leben und lässt ihre Familie ohne einen Hinweis auf den Grund zurück. Damit endet die Geschichte aber nicht, nein sie beginnt. Bei ihrem Mann und ihre Tochter bleiben so viele Fragen. Brady und Eve finden einfach keine Erklärung, warum Maddy Selbstmord begangen haben soll, wo sie doch noch Pläne für das kommende Osterwochenende geschmiedet hatte oder ihre To-do-Liste in der Küche lag. Sie verstehen nicht, was passiert ist. Die Hauptfrage bleibt: Wie soll ihr Leben bloß ohne Maddy weitergehen?
Diese hängt nun zwischen den Welten fest und kann die Menschen beobachten. Mit einiger Übung kann sie sogar Signale in die Köpfe der anderen senden. (Ganz so Spooky, ist es dann doch nicht) Ihr wird schnell klar, ihr Mann braucht eine neue Frau, die sich um ihn und die Tochter kümmert – und sie hat da auch schon jemanden im Blick. Diese Sichtweise ist die einzigste im Buch, die mir nicht gefällt, da es doch sehr klischeehaft wirkt. In der Zwischenzeit müssen Brady und Eve sich mit ihrer Trauer und ihren Schuldgefühlen auseinandersetzen.

Die Kapitel sind immer in drei Abschnitte eingeteilt. Jeder Abschnitt erzählt die Geschichte aus einer anderen Perspektive, erst Maddy (Ich – Persepektive) , dann Eve und zum Schluss Brady. Durch diese Einteilung hat man schnell einen Bezug zu den Protagonisten und kann sich in ihre Sichtweisen und Handlungen hineinversetzten. Man konnte in die Gedanken und Gefühle eintauchen und ganz nah bei ihnen sein. Das hat viel dazu beigetragen, ihr Handeln nachzuvollziehen, da manche Ereignisse zum Beispiel sowohl von Eve als auch von Brady erzählt wurden. Eve ist 16 Jahre alt und mitten in der Pubertät. Ihre Mutter war stets für sie da und hat alles für sie gemacht. Erst mit ihrem Tod beginnt sie zu verstehen, was ihre Mutter alles für sie aufgegeben hat. Eve entwickelt sich. Sie beginnt, alles zu hinterfragen, doch hauptsächlich quält sie die Frage, warum ihre Mutter von dem Dach gesprungen ist. Sie gibt sich selbst die Schuld dafür und muss erst lernen, mit ihrer Trauer umzugehen. Brady ist ein Workaholic und hat seine Familie vernachlässigt. Auch ihm öffnet Maddys Tod die Augen. Er spürt dass er seine Tochter kaum kennt und ist gezwungen, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Die beiden müssen sich erst neu kennen lernen. Aber auch Brady ist in seiner Trauer gefangen. Er sucht Gründe für Maddys Selbstmord und gibt ebenfalls sich selbst die Schuld daran.

Es steckt so viel Weisheit und Warmherzigkeit in diesem Buch. Wie schon angedeutet versucht Maddy versucht nach ihrem Tod das Leben von Brady und Eve zu beeinflussen, um die beiden weiterhin zu unterstützen. So kommt auch Rory, eine Leherein mit in die Geschichte, welche Maddy als passende Nachfolgerin für sich ausgewählt hat.

Immer wieder gibt es kleine Hinweise, die sich mit dem Selbstmord – oder Spekulationen für einen Unfall Raum geben. – erst am Schluss wird die Sache aufgeklärt.

Dieses Buch regt zum Nachdenken an, es hat mich nicht zu Tränen gerührt, war aber sehr ansprechend und lässt einen rührt einen hoffen, dass es immer irgendwie einen guten Weg gibt. Dieses Buch könnte ich mir auch wunderbar als Hörbuch vorstellen.

 

Der Klang unserer Herzen*

Ein Buch zum abschalten, träumen und singen. In diesem Buch werden so viele Liedtexte angesprochen – es ist mit Sicherheit eine Freude für Musikliebhaber. Auch wenn ich viele der Lieder gar nicht kannte, so habe ich mich bei anderen Textzeilen sofort beim singen erwischt. Nun aber zum Inhalt:

Melody als eine zierliche, brünette Mittdreißigerin – eine liebevolle und moderne Mutter. Sie hat eine einzigartige Krankheit: Stresssituationen triggern sie so sehr, dass sie unkontrolliert Lieder singt und die passenden Tanzmoves dazu ihren ungebetenen Zuschauern präsentiert.

Das ist für den Leser manchmal zum Tränen lachen komisch, für sie und die Kinder aber nicht immer. Emma Cooper erzählt sehr humvorvoll diese Geschichte und erst mit den Seiten kommt man zum Hintergrund. Die Geschichte wird aus mehreren Gesichtspunkten erzählt: Sowohl aus der Sicht von Melody- der Mutter der beiden Kinder, als auch aus der Perspektive von dem 16-jährigen Flynn und seiner 13-jährigen Schwester, die in Tagebuchform über ihre Geschehnisse und Eindrücke berichtet. Familie King musste ihr ganzes Leben so viele Schicksalsschläge hinnehmen,die man nach und nach erfahren konnte. So machte sich beim Lesen neben dem Unterhaltungswert, den Liedern auch eine etwas melanchonische Stimmung breit. Er erzählt von einer Familie der das Schicksal viele Steine in den Weg legte und diese trotzdem nie aufgegeben hat glücklich zu sein.

Es ist ein Leseerlebnis, welches man bis zum Ende lesen muss, um es in seiner ganzen Größe zu verstehen. Ich habe daraus die Erkenntnis mitgenommen, dass alles leichter ist, wenn man nur ein Lied im Herzen trägt…

 

Der schönste Sommer unseres Lebens*
Erzählt die Geschichte von vier reiferen Frauen um die 60 Jahre. Jede für sich ist einzigartig, hat ihr eigenes Päckchen zu tragen und mehr oder weniger zufällig verbringen sie gemeinsam einen Sommer in Italien.

Ich fand es schön, auch Lebensgeschichten zu lesen und den Frauen zuzuhören, mit ihnen zurück zu blicken und gleichzeitig offen zu bleiben für das was kommt.

Claire betreibt einen Catering-Service und fühlt sich nicht genug durch ihren Mann unterstützt. Ihr Sohn und ihre Schwiegertochter leben zur Zeit in ihrem Haus und nehmen sie eher als Haushälterin denn als Familie wahr, was Claire sehr unzufrieden macht.

Angela hat ihre erfolgreiche Modefirma an Investoren verloren und ist plötzlich arbeitslos.
Sylvie ist Innenausstatterin und erwischt ihren Mann in flagranti mit einer Mitarbeiterin.
Monica ist Bibliothekarin, seit einem Jahr verwitwet und verlor ihren Job. So lebt sie vorübergehend im Haus ihrer Mutter, die sie ständig maßregelt und bevormundet.
Alle vier erhalten unabhängig voneinander das Angebot von Stephen, den Sommer in seiner alten Villa in Italien zu verbringen. Erst als sie dort angekommen sind, stellt sich heraus, dass sie die Zeit gemeinsam und nicht wie gedacht, alleine dort verbringen werden. So müssen sich sich miteinander arrangieren, Vorurteile über Bord werden, mit Sympathien und Antipathien umgehen.
Stephen möchte aus der Villa ein Hotel machen und bittet die Frauen ihm zu helfen, Ideen für dieses Vorhaben zu sammeln. Das Hauspersonal vor Ort freut sich also auch, dass es Gäste bewirten darf und sich nicht nur um ein leeres Haus kümmern muss. Mit der Zeit und bei den gameinsamen Abendessen mit dem besten italienischen Essen, freunden sich die Frauen an, öffnen sich immer mehr und erzählen aus ihrem Leben. Sie erfahren welche Kraft Frauen haben können, wenn sie zusammen halten und sich gegenseitig unterstützen. Die Umgebung und die Villa tuen ihr übriges, und so beginnt jede für sich und doch alle gemeinsam über ihr Leben nachzudenken und Veränderungen anzustoßen.

Mir hat hierbei vor allem das italienisches Flair und eine schöne sommerliche Stimmung gefallen. Das Dorf in dem die Frauen leben, liegt an der Küste. Man begleitet sie zu Ausflügen in Italienische Städte und gleichzeitig ist die Landschaft so bildhaft beschrieben, dass man ins Reisefieber kommt. Dazwischen plätschert die Story immer wieder einmal ein wenig dahin, aber das empfand ich hierbei gar nicht als störend, sondern eher als geschenkte Zeit.

 

Ab heute wird alles anders*

hat mich vom Cover her total angesprochen. Ich dachte es erwartet mich ein lustiger Roman mit viel Humor. Auf dem Buchdeckel steht folgender Text:

„Eleanor Floods Leben bedeutet Chaos. Aber ab heute wird alles anders. Sie wird sich duschen und anziehen, sie wird zum Yoga gehen, nachdem sie ihren Sohn Timby in der Schule abgegeben hat. Und sie wird ihren Mann Joe verführen. Sie wird Ruhe ausstrahlen, lokal kaufen, ihr bestes Selbst sein. Aber bevor sie ihre Pläne in die Tat umsetzen kann, macht ihr das Leben einen Strich durch die Rechnung. Denn ausgerechnet heute ist auch der Tag, an dem Timby sich entschieden hat, krank zu sein, und an dem Joe der Klinik, nicht aber Eleanor, erzählt hat, dass er im Urlaub ist. Gerade als es scheint, als ob alles nicht noch schlimmer werden könnte, führt eine überraschende Begegnung Eleanor in die eigene, nicht ganz unproblematische Vergangenheit, die sie jetzt sicher zu allerletzt…“

Leider hat mich dieses Buch so gar nicht abgeholt. Ich habe mich durch die ersten Seiten gekämpft, ihm dann immer wieder nochmal eine Chance gegeben und es dann doch schlussendlich, nach einem drittel zur Seite gelegt. Der Humor war nicht meiner, und vielleicht war es mir alles iin allem einfach zu amerikanisch.

 

 

Nichts weniger als ein Wunder*

Auch in dieses Buch musste ich mich hinein kämpfen. Aber es hat sich gelohnt und noch mehr als das. Die Geschichte scheint im ersten Moment wie das reinste Chaos und bis zum Ende bleibt es auch dabei. Man folgt den fünf Dunbar-Brüdern, die sich nach dem Tod der Mutter und dem Verschwinden des Vaters allein durchs Leben schlagen. Matthew, der älteste Bruder, übernimmt die Vaterrolle für Rory, Henry, Clay und Tommy.

Körperliche Aggression ist ein wesentlicher Bestandteil dieser kleinen Familie.

Dennoch merkt man mit der Zeit, dass dieses Chaos genau das widerspiegelt, wofür die fünf Dunbars stehen:

  • Rebellion
  • Leid
  • innere Gebrochenheit,
  • Zusammenhalt
  • Liebe

„Es gab einen Jungen, einen Sohn, einen Bruder.
Ja, für uns gab es immer einen Bruder, und er war derjenige von uns Fünfen, der alles auf seine Schultern lud.“ (S. 9)

Der Erzähler ist Matthew, der älteste der 5 Dunbar-Brüder, der die Geschichte seines Bruders Clay aufschreibt. Dieser Junge kann nicht lachen, hat immer eine kaputte Wäscheklammer in der Tasche, kämpft beständig ohne gewinnen zu wollen, hat eine Sonderstellung und wird von den anderen ziemlich drangsaliert, was er als seine Strafe hinzunehmen scheint.

Sie alle wohnen in der Archer Street Nr.18, die Mutter ist tot, der Vater, der fast das gesamte Buch über nur „der Mörder“ genannt wird, hat die Jungen verlassen. Die Jugendlichen gehen äußerlich recht grob miteinander um, im Zuge der Geschichte wird aber deutlich, wie sehr sie sich umeinander sorgen und Verantwortung füreinander übernehmen.

Der Abschnitt war heftig und ich hätte fast aufgegeben. Doch es wurde einfacher und es lohnt sich. Ich habe mich an den Schreibstil gelohnt und konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen. Die Methaphern fesselten mich und immer wieder habe ich Sätze mehrfach gelesen.

Die Geschichte ist zu komplex um sie hier wieder zu geben. Aber es ist eine lesenswerte Geschichte, von der Liebe und der Familie. Von Stärken und Schwächen.

Jeder einzelne der fünf Jungs ist einzigartig und liebenswert, egal wie durchgeknallt und eigenartig er auch war. Es wechseln sich Tiefgründigkeit, verpackt in witzige, aber auch tief traurige Situationen mit dem Leben und der Liebe zum Detail ab, ohne dass Langeweile aufkommt. Vielmehr war es für teilweise schwierig die verschiedenen Handlungsstränge und die Vielzahl der Themen sei es Familie, Tod, Liebe, Sport, Musik oder Kunst in ein großes ganzes zu bekommen. Das liegt aber nicht nur an der Geschichte, sondern vor allen Dingen auch an dem außergewöhnlichen Schreibstil von Zusak. Das ist wohl sein Markenzeichen – ich kannte es vorher noch nicht. Der Roman ist in 10 Teile gegliedert: „Vor dem Anfang“, Teile 1 – 8, die wiederum in überschaubare Kapitel unterteilt sind, und „Nach dem Ende“.

Tatsächlich gibt es ein Ende und dort werden alle Handlungsstränge zusammengeführt.

Plötzlich passt alles ineinander und ergibt eine Geschichte.

 

54 Minuten: Jeder hat Angst vor dem Jungen mit der Waffe*
Puhh… dieses Buch hat es in sich. Es geht um einen Amoklauf und wie lange 54 Minuten sein können. Eigentlich ist es ein Jugendbuch, aber es hat mich umgehauen. Nijkamp beschreibt einen Zeitraum von insgesamt 54 Minuten an einem Vormittag.

Es wird die Geschichte aus Sicht der Jungendlichen SyLv, Tomas, Autumn und Tyler erzählt.
Sylv und Tomás sind Geschwister und haben ein sehr enges Verhältnis. Sie würden alles füreinander tun. Autumn ist die Freundin von Sylv, was aber bislang die wenigsten wissen. Ihre Mutter ist gestorben, ihr Vater gewalttätig und ihr Bruder ist Tyler, der Attentäter, der seine Schwester für seine Misere mit verantwortlich macht. Claire die Ex-Freundin von Tyler. Alle kennen sich und haben irgendeine Verbindung zu Tyler.

Tyler ist zu Beginn wenig greifbar, die Autorin liefert keine Erklärungen für sein Verhalten oder handeln. Er ist nicht greifbar, sein Motiv schwammig, was ihn noch gefährlicher wirken lässt. Nach und nach bekommt man einen Einblick in sein Leben und das der erzählenden Personen. Es begint sich ein Kreis zu schließen, vergangene vergangene Handlungen, zeigen Auswirkungen auf das Leben und den Täter. Fesselnd, bedrückend werden hier 54 Minuten beschrieben, mit Kapiteln, die ebenfalls in Minuten eingeteilt sind.

Ein Amoklauf ist etwas furchtbar grausames, darüber müssen wir gar nicht mehr sprechen, das ist allen klar. Marieke Nijkamp hat es geschafft, genau diese Gefühle ins Worte zu fassen.. Sie schreibt klar und ohne das Geschehen auszuschmücken. Sie beschönigt nichts und führt den Leser ohne Umwege durch die Geschichte. Es gibt kein unnötiges Drama, keine Helden sondern mutige Lehrer und Schüler die versuchen einander zu beschützen. Und genau das macht es so lesenswert.

 

Unser Hof in der Bretagne: Neuanfang zwischen Beeten, Bienen und Bretonen*

Alles hinter sich lassen und neu beginnen? Geht das? Sein altes Leben zurück lassen und ganz neu beginnen? Regine Rompa und ihr Mann Anton lassen das Großstadtleben in Berlin zurück, steigen aus ihren Jobs aus und begeben sich in ein kleines Dorf in Frankreich.Dort starten sie in ihr neues Leben.

Beide sind sie selbständig Erwerbende, können aber die Arbeitsstunden weiter minimieren. Sie leben nun in einem Dorf mit 7 Einwohnern, versorgen sich selbst und haben schlichtweg gar keine Möglichkeit Geld auszugeben. Es bleibt so viel mehr vom Leben, Zeit für DIY Projekte, das Leben zu genießen, sich auf Pflanzen und Tiere einzulassen, den Rhythmus der Natur zu leben und so vieles mehr. Regine schreibt lebendig über ihrem Alltag, den Anfangsschwierigkeiten mit der Sprache, der Krankenversicherung, dem Garten, sowie von all den Möglichkeiten, die das neue Leben ihnen bietet.

Die beiden leben nun das Leben, was sich viele Menschen erträumen, aber die Autorin weist auch sehr klar auf die Schwierigkeiten hin, die sie erwartet haben bis sie in ihrem Paradies angekommen sind. Von Wilderen und zerbrochenen Freundschaften, aber auch von neuen Erlebnissen.

Jeder Tag ist eine neue Herausforderung. Es ist nicht immer einfach aber sehr lebenswert. Zumindest für die beiden. Ich habe das Buch sehr genossen um in diesen Traum mit einzusteigen, denn für uns wird sich so ein Leben nicht eignen. Aber einfach einmal über den Tellerrand zu schauen, das hat wirklich Freude bereitet.

 

Eure

wheelymum

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