Unser normales Leben wurde durch Corona auf den Kopf gestellt und die Behinderung zentrales Thema

Eltern mit Behinderungen

Corona, wir können es alle kaum noch hören. Von Lockdown, zu Homeoffice über Schulschließungen, Verlust und Trauer um nahestehende Personen und so viel mehr haben in den letzten 2 Jahren unser Leben und unseren Alltag begleitet.

Im besonderen Maß traf das neben den Kindern auch Menschen mit Behinderungen. Nicht wenige gehören zur Risikogruppe. Doch auch hier wurde der normale Alltag völlig auf den Kopf gestellt:

  • Arztbesuche fanden nicht im gewohnten Umfang statt
  • Besuche bei Menschen in Heimen wurden gravierend eingeschränkt
  • Planbare OPs wurden verschoben
  • Hausbesuche sind ausgefallen
  • Therapien fanden zu Beginn manchmal gar nicht mehr, danach verändert statt
  • Was geschieht, wenn die Assistenzkräfte ausfallen, erkranken oder in Quarantäne müssen?

Wir Menschen mit Behinderungen setzten jeden Tag alles daran, so wenig wie möglich behindert zu werden und ein normales Leben zu leben. Während des Lockdowns hat sich das alles geändert, denn die Behinderungen waren plötzlich wieder zentrale Themen.

Elisabeth hat mir damals geschrieben, sie ist Kleinwüchsig, arbeitet in einem Büro und ging 2x die Woche zum schwimmen und 2x ins Fitnessstudio. Beide Einrichtungen hatten nun für eine sehr lange Zeit geschlossen. Elisabeth führt ein stinknormales Leben. Bis Corona kam. Denn durch die Schließung der Einrichtungen, fiel ihr regelmäßiges Training aus. Dieses braucht sie nicht um schlank zu bleiben oder fitter zu werden, sondern zur Entlastung ihres Körperbaus. Sie könnte auf Grund der Kleinwüchsigkeit und der Belastung der Gelenke nicht einfach joggen gehen und bei Übungen zu Hause, fehlte ihr der richtige Blick und die schnelle Korrektur der Trainerin.

Patricia Carl, lebt in Berlin und arbeitet im Bundesministerum für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Seit 2013 ist sie Vorsitzende des Bundesverbands Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien e.V. (BKMF).
++ am 13.05.2019 in Berlin (Berlin).
(c) Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de
Ich nutze dieses Bild als Symbolbild für Elisabeth und den Beitrag

Das fehlende Training machte sich zunächst in Verspannungen und Schmerzen bemerkbar, hatte aber auch schlimmere Folgen und so musste sie sich krankmelden.

Obwohl ihre Kleinwüchsigkeit kein Thema für sie war, kam es nun durch die Pandemie und deren Folgen zu gravierenden Folgen für Elisabeth.

Damit bin ich nicht alleine, für viele von uns hat das Auswirkungen.“

Ja, für viele von uns. Wahrscheinlich für jeden einzelnen hat diese Pandemie Auswirkungen und bei jedem einzelnen sehen diese Auswirkungen anders aus. Bei manchen eben so, dass die Behinderung doch wieder zum zentralen Thema werden (muss).

Eure

wheelymum

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2 Kommentare

  1. Annina

    Interessant ist, dass es viele Leute da “draußen” zu geben scheint, die der Meinung sind,wenn man die schwerwiegenden Negativfolgen mancherlei Maßnahmen der Coronapolitik anspricht, ist man gleich ein Queerdenker oder Impfgegner.
    Mir wurde das gestern vorgeworfen, weil ich die Auswirkungen auf die beiden behinderten Kinder ansprach.
    Da ist man geboostert, hält sich an die AHA-Regeln aber ist für manche dann gleich “böse”.

    Antworten
    1. Annina

      Die beiden behinderten Kinder einer Bekannten…meinte ich.
      Die lange Therapieaussetzung hatte schlimme Folgen für deren Motorik.

      Antworten

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