Bücherwoche: Autismus mal anders

Es ist soweit. Bücherwoche auf dem Blog von Wheelymum. Das bedeutet ganz konkret, dass ich euch eine Woche lang unterschiedlichste Bücher zum Thema Behinderung, Krankheit und in dieser Woche auch zum Thema Tod vorstelle. Darunter sind Sachbücher, Bilderbücher, aber auch Lebensgeschichten. Ich lade euch ein, mit mir auf die Reise zu gehen.

Bei der Re:publica gab es den Anreiz, dass die besten Bücher mit den Themen Behinderungen und Inklusion nicht über Behinderte Menschen gehen, sondern von Ihnen stammen. So habe ich mich ganz besonders gefreut, als mir Aleksander Knauerhase vom Blog Querdedachtes, erzählte, dass er selbst ein Buch über das Thema Autismus schreibt. Sein Beweggrund war, dass es keine „guten“ Bücher über Menschen mit Autismus gibt. Vielmehr sind es alles Sachbücher. So hat er die Sache selbst in die Hand genommen und das Buch Autismus mal anders: Einfach, authentisch, autistisch

Einfach, Authentisch, Autistisch. So beschreibt Alexander sein Buch selbst auf dem Cover. Ich denke es trifft es ganz gut.

Das Buch hat einen klaren Aufbau und beschreibt zunächst die Wahrnehmung, dann Autismus allgemein. Therapie ist ebenfalls ein Teil des Buches und für mich ein sehr interessanter Abschnitt. Wichtig für alle – auch nicht betroffene – finde ich die Bereiche Gesellschaft, Sprache und Inklusion. Gegen Ende gibt es noch verschiedene Specials und Gedanken.

Das ist für mich durchaus eine Stärke des Buches. Neben sachlichen Infos, Hinweisen und Erklärungen, gibt es in jedem Kapitel, Gedanken zu den einzelnen Themen. Diese sind sehr persönlich und das macht den Autor nahbar. Gleichzeitig ist ihm das auch besonders wichtig: Er schreibt, wie er Autismus erlebt, und legt viel Wert darauf, dass man dies nicht verallgemeinern kann.

Genau diese Sichtweise liegt mir sehr am Herzen. Jeder Mensch ist ein Individuum und so sind auch Beeinträchtigungen und Krankheiten jeglicher Art. Bei niemandem verläuft dies gleich ab. Deswegen hilft es immer und immer wieder nachzufragen. Das ich dies allgemein für den besten Weg halte, habe ich selbst hier bereits beschreiben. Habt keine Angst und fragt einfach. Mehr als eine flapsige Antwort, kann euch nicht passieren, aber ihr könnt so viel erfahren.

Es gibt nicht den Autismus.

Autismus ist ein Spektrum und dieses ist sehr breit. Das zeigt Aleksander sehr deutlich auf. Er ist ein Autist zum Anfassen, er geht in die Öffentlichkeit. Auch meine Onlinekontakte zu ihm, haben das immer wieder bestätigt. Das hat wenig mit dem „Bild eines Autisten“ zu tun, wie ich es im Kopf hatte.

Und genau das macht er auch im Buch: Er räumt Vorurteile aus. Und dabei spricht er uns Leser ganz konkret an. :

” Bitte vergesst alles, was ihr je in Filmen an autistischem Verhalten gesehen habt.“

 

Autisten sind aggressiv? Was ist ein Overload? Es wird anschaulich erzählt, was es damit auf sich hat:

„Die Anspannung, welche im Falle es Overloads extrem ist, muss raus. … Es handelt sich dabei aber weniger um aggressives Verhalten gegen die Umwelt, sondern vielmehr um gelöste, innere Anspannung.“

Alleine dieser Sichtwechsel sind für mich elementar. Es ermöglicht die Verhaltensweisen neu zu betrachten. Das ganze ist wohl auch Sinn des Buches. Denn er erklärt die innere Struktur des Autismus sehr gründlich. Jeder Sinnesreiz und die daraus resultierende Probleme werden analysiert und erklärt. Dabei berichtet Aleksander von seinen eigenen Lösungen. Dies führt fast zwangsläufig zu dem Thema, wie die Gesellschaft Autisten besser integrieren könnte. Und genau hier sind wir wieder am Anfang des Buches: Unwissenheit ist das größte Inklusionshindernis. Deswegen mehr Wissen über Autismus und am besten funktioniert das, wenn wir nicht über die Autisten sondern mit den Autisten reden.

 

Natürlich werden auch die Probleme und Schwierigkeiten nicht verschwiegen wie z.B. welche Hürden die Umwelt verursacht. Behörden und Vorurteile. Fragwürdige Therapien. Alexander beschreibt dies aber nicht leidend sondern aktiv und stellt sich diesen Problemen. Es liegt kein Bedauern in den Worten, sondern die Annahme der eigenen Besonderheiten und dem aktiven Umgehen damit.

 

Jeder, der mehr über dieses Thema erfahren möchte, sollte dieses Buch lesen. Es ist doch ganz einfach, wer kann die autistische Wahrnehmung und das Leben mit Autismus besser vermitteln als ein Autist selbst?

Wer kann besser über das Leben als Mama im Rollstuhl schreiben, als eine Mama im Rollstuhl.

Ihr wisst was ich meine…

Eure

wheelymum

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2 Kommentare

  1. Lajulitschka

    Klingt interessant, danke.
    “Ich könnte verschwinden, wenn du mich berührst” von Donna Williams hat mir vor langer Zeit auch viele Einblicke verschafft.
    Liebe Grüsse, Lajulitschka

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    1. wheelymum (Beitrag Autor)

      Danke für den Tipp. Kannte ich noch nicht, werde ich mir aber auf jeden Fall einmal anschauen

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