Wer bestimmt hier was?

Die Frage: Wer bestimmt hier was? stelle ich mir täglich. Als Mama, als Behinderte oder als Pädagogin. Doch was uns im Alltag beschäftigt, geht noch viel tiefer.

Der Alltag im Familienleben wirbelt uns ordentlich durch, und gefühlt hundertmal am Tag stehen wir vor den gleichen Fragen. „Zähne putzen – ja oder nein?“, „Wie lange dürfen die Medien heute laufen?“ oder „Wer darf eigentlich entscheiden, wo wir im Urlaub hinfahren?“. Als Mama mit Rollstuhl und chronischer Krankheit stoße ich im Alltag aber noch auf ganz andere Situationen, in denen das Thema Macht eine riesige Rolle spielt.
Viel zu oft erleben wir als Eltern mit Behinderung, dass andere über uns bestimmen wollen, uns belächeln oder bevormunden. Genau deshalb hat mich ein neues Kindersachbuch aus dem Beltz Verlag sofort gecatcht: „Wer bestimmt hier was? Über Macht und Verantwortung“ von Assata Frauhammer, mit wunderbar lebendigen Illustrationen von Claudia Weikert.
Ich habe das Buch gemeinsam mit meinem Kind gelesen und möchte euch heute erzählen, warum es für mich ein absolutes Herzensbuch zum Thema Inklusion, Vielfalt und Augenhöhe ist.
Worum geht es genau?
Das Buch ist für Kinder ab etwa 8 Jahren geschrieben und umfasst 62 dickere, sehr wertig gestaltete Seiten. Es nimmt unsere Kids an die Hand und erklärt in der Reihe „Große Themen, einfach erklärt“ ganz alltagsnah, was Macht eigentlich bedeutet.
Es zeigt, wie vielfältig Macht ist:  um die Macht in der Familie, auf dem Schulhof, in Freundschaften, aber auch in den Medien und der Politik. Die Autorin zeigt Schritt für Schritt, woran man faire Regeln erkennt, woher Macht kommt und warum Macht immer ganz eng mit Verantwortung verknüpft sein muss.
Jetzt macht es für uns als Familie und für mich noch einen wichtigen Bestandteil aus: Inklusion bedeutet Selbstbestimmung und das Leben auf Augenhöhe. Und genau diesen Nerv trifft das Buch mitten ins Herz.
  • Es bricht mit dem klassischen „Gefälle“: Oft denken Kinder, dass Erwachsene die absolute Macht haben. Das Buch zeigt sensibel auf: Ja, Eltern haben die Verantwortung für die Gesundheit ihrer Kinder (wie beim Zähneputzen!), aber Kinder haben auch das Recht, über ihren eigenen Körper zu bestimmen. Es regt dazu an, Mitbestimmung im Familienrat zu üben. Das stärkt das demokratische Verständnis und das Selbstwertgefühl ungemein.
  • Empowerment statt Ohnmacht: Besonders gut gefällt mir, dass das Buch Kinder nicht in einer passiven Rolle belässt. Es ermächtigt sie. Es zeigt ihnen die UN-Kinderrechtskonvention und erklärt, wann man sich gegen unfaire Regeln oder Mobbing (z. B. auf dem Schulhof) zur Wehr setzen sollte.
  • Diversität im Blick: Die Illustrationen von Claudia Weikert spiegeln das echte Leben wieder. Es zeigt Kinder in verschiedenen Lebenslagen – bunt, vielfältig und nahbar. Es wird thematisiert, wie Statussymbole oder Ausgrenzung Machtdynamiken erzeugen und wie wichtig solidarisches Handeln dagegen ist – das ist mein persönliches Highlight im Buch. 
  • Die Macht der kleinen Gesten: Der Abschluss des Buches hat mich als emotionale Mama besonders berührt. Assata Frauhammer schreibt, dass manchmal schon ein einfaches Lächeln im richtigen Moment eine ungeheure Macht haben kann – weil es Mut macht und zeigt: Du bist nicht allein! Niemand ist zu klein, um großartig zu sein.

„Wer bestimmt hier was?“ ist kein trockenes Theoriebuch. Es ist ein lebendiger, witziger und unfassbar wichtiger Wegweiser für Familien. Es ermutigt unsere Kids, kritisch zu hinterfragen, Vorurteile abzubauen und für sich und andere einzustehen. Für mich ist gelebte Inklusion, wenn wir alle gemeinsam am Tisch sitzen und jede Stimme zählt. Dieses Buch liefert die perfekte Grundlage dafür.
wheelymum

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