Weltkrebstag: Krebs in der Schwangerschaft

Eltern mit Behinderungen

Heute ist der 4.Februar: Welt – Krebs – Tag.

Krebs ist ein … Diese Krankheit nimmt keine Rücksicht auf Gefühle oder Befindlichkeiten. Sie kann jeden treffen. Imme rund überall und damit die Welt von jetzt auf gleich völlig auf den Kopf stellen. Nichts ist mehr wie früher. Wie gestern. Alles ist anders.

Krebs kann einen in jeder Lebenslage treffen. Es sterben Kinder daran, Geschwister, Eltern und werdende Eltern. Tanten, Nichten, Neffen und Großeltern. Jeden Tag sterben Menschen an dieser Krankheit. Es wird geforscht und es gibt auch viele, viele Menschen die den Krebs überleben. Doch etwas ändert sich fast immer. Das Leben ist ein anderes als davor.

Es gibt Vorsorgeuntersuchungen, die wir machen können. Eine gesunde Lebensweise kann auch helfen, doch eine Garantie, dass man diese Erkrankung, die sich so hinterlistig zeigt und vielfältig ausgeprägt sein kann, gibt es nicht.

Heute zum Weltkrebstag möchte ich mit euch einen Gastbeitrag teilen, bei dem eine Mama während ihrer Schwangerschaft von ihrer Diagnose erfahren hat:

Es lohnt sich zu kämpfen. Immer. In meinem ganz besonderen Fall, war aufgeben aber gar keine Option. Denn ich wollte meinen Sohn kennen lernen und ihn in sein Leben begleiten. Ich hatte Krebs in der Schwangerschaft. Das ist selten, kann aber passieren. Aber von vorne:

Es ist ein Donnerstag als ich mich zur Vorsorgeuntersuchung zum Frauenarzt auf den Weg mache. Es soll der Blutzuckertest gemacht werden. Ich bin nüchtern und trinke dort den Zuckerdrink. Da ich etwas vermehrt blaue Flecken habe, nimmt meine Ärztin gleich noch ein großes Blutbild mit ab.

Die Werte sind nicht wie gewünscht und meine Gynäkologin sorgt sich etwas, denn die Blutergebnisse könnten auf eine Schwangerschaftsvergiftung hinweisen. Der Urintest und der Blutdruck sind aber in Ordnung. Normalerweise ist es auch zu früh, für diese Diagnose doch es gibt nichts, was es nicht gibt, meinte meine Ärztin, mit einem leicht sorgenvollen Blick. Wir werden das beobachten und ich kann wieder nach Hause. Der Zuckertest sei übrigens negativ ausgefallen.

Ich habe mich gut gefühlt und mit keinster Weise damit gerechnet, dass etwas nicht stimmen könnte. Zu Hause machen wir trotzdem ein ruhiges Wochenende und lassen es uns gut gehen.

Am Montag klingelt mein Handy mit der Telefonnummer der Gynäkologischen Praxis. Als ich dran gehe spricht gleich die Ärztin mit mir: Ihr sei das zu heikel und sie habe kein gutes Gefühl. Wenn ich einverstanden bin, macht sie in der Uniklinik einen zeitnahen Termin, um herauszufinden, was die Ursache für die Werte sei. Ich stimme zu. Lege auf. Mache mir Sorgen.

Bereits zwei Tage später sitze ich in der Ambulanz der Uniklinik. Schnell wird klar, dass gibt eine größere Angelegenheit. Assistenzärzte, Oberärzte, Konzile, …. ich solle mit bitte persönliche Sachen bringen lassen, man müsse mich stationär aufnehmen. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, dass mein Leben in Gefahr ist, ich mache mir nur Sorgen um mein Baby. Niemand gibt mir in diesem Zusammenhang eine Entwarnung. Ich habe keine Ahnung, ob es um mich schlecht steht, um mein Kind oder um uns beide. Ich werde weiter vertröstest. Man müsse erst noch testen. Abwarten. Weiter untersuchen. Die gynäkologische Station ist voll. So komme ich auf die Wochenbettstation. Höre Babys und ihre frisch gebackenen Mamas. Ich weiß nicht wohin mit mir.

Dann die Info – ich werde verlegt. Man muss eine Knochenmarkpunktion machen. Damit stand fest – ich bin der Patient. Meinem Baby geht es zum aktuellen Zeitpunkt gut. Ich atme kurz auf. Bin mir der Schwere und der möglichen Ergebnisse der Untersuchung gar nicht bewusst. Nach dem Eingriff darf ich nach Hause. Bei jedem Telefonklingeln zucke ich zusammen.

Ich habe Angst vor dem was kommt. Gleichzeitig halte ich diese Ungewissheit kaum noch aus. Dann der Anruf, auf den wir gewartet haben. Wir sollen zur Besprechung in die Klinik kommen – ich bin so froh, dass dies alles vor Corona war. Ich kann mir nicht vorstellen, wie Menschen dies aushalten, ohne eine vertraute Person dabei zu haben. Das Ergebnis ist erschütternd: Leukämie.

Alles wird dumpf. Ich kann das ganze nicht einordnen. Aber auch nicht zuhören. Mein Mann stellt Fragen, hört zu. Hält meine Hand. Mir laufen die Tränen. Ich habe Angst. Angst um mein Kind. Wir verlassen das Arztzimmer mit einem Aufnahmetermin für den nächsten Tag. Ich werde so wütend, möchte Dinge klein schlagen. Mein Mann hält meine Hand. Zu Hause legt er seine Hand auf meinen Bauch.

Am nächsten Tag, werde ich stationär aufgenommen. Die Kliniken sind alle im gleichen Gebiet. Teilweise unterirdisch miteinander verbunden. Es gibt Tumorkonferenzen und so behandelt mich auch ein Ärzteteam. Onkologe, Gynäkologen und Neantologie. Das war wichtig für mich, damit ich weiß, nicht nur ich, sondern auch das Baby sind gut versorgt. Ich befinde mich mittlerweile in der 26. Schwangerschaftswoche. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Entweder man holt das Baby jetzt, viel zu früh mit der Gefahr, dass es bleibende Schäden hat und ich beginnen direkt danach eine hochdosierte Chemotherapie. Oder man wartet bis das Baby auf die Welt kommt, in dieser Zeit wird sich die Leukämie aber stark ausbreiten und es kann sein, dass die Therapie danach nicht mehr anschlägt. Das Baby wäre wahrscheinlich gesund, aber es besteht die Gefahr, dass ich sein Aufwachsen nicht miterleben werde.

Oder eine Art Kombination. Wir beginnen jetzt mit einer leichten Chemotherapie, während das Kind noch im Bauch ist. In der Hoffnung, dass es dadurch keine Schäden hat und wir die Leukämie im Zaum halten, für ca. 4 Wochen. Danach wird das Baby geholt und wir starten mit der höheren Cochem. Diese Entscheidung kann und will niemand treffen. Gefühlt war alles falsch, was wir entschieden haben. Und doch musste eine Entscheidung her.

Es wurde der Mittelweg. Ich komme in eine Umkehrisolation, das beutetet, dass jeder der zu mir ins Zimmer kommt Mundschutz, Handschuhe und Kittel anziehen muss. Auch mein Mann.. Er darf ich nicht mehr küssen und soll mich am besten auch nicht berühren. Das ist für mich aktuell mit das Schlimmste.

Die Chemo beginnt und nach meinem Baby wird täglich geschaut. Entweder kommt eine Hebamme oder die Schwestern machen ein Ctg. Alle paar Tage schauen die Ärzte mit dem Ultraschallgerät, ob es noch weiter wächst. Das Gift, läuft verdünnt in meinen Körper. Ich vertrage die Behandlung relativ gut. Meine Haare fallen schnell aus, damit hat man erst später gerechnet. Aber was will ich mit den Haaren. Es geht hier um mein Kind. Und tatsächlich, es scheint alles gut zu verlaufen.

Das Baby wächst weiter, ich spüre seine Tritte. Mir geht es den Umständen entsprechend gut und auch meine Blutwerte stabilisieren sich. Tag für Tag. Woche für Woche. In der dritten Woche sind meine Blutwerte so stabil, dass ich nochmal für ein paar Tage nach Hause darf.

Hier habe ich nun alles auf den Kopf gestellt. Ich wusste unser Baby kommt bald zur Welt. Es wird noch eine ganze Zeit im Krankenhaus sein müssen. Es soll alles so schön sein, wie es nur geht. Für den kleinen Menschen, für mich und für uns.

Ich packe meine Tasche. Erneut. Und noch eine Tasche. Für unser Baby. Ich trage ein extra weiches Shirt. Lange. Packe das mit seine Tasche. Wir fahren in die Klinik. Kaiserschnitttermin. Mit einer PDA kann ich den Kaiserschnitt miterleben. Mein Mann sitzt neben mir. Unser Baby schreit, als es auf die Welt kommt. Die Erste große Erleichterung. Ich darf ihn nicht sehen, er ist zu klein und zu leicht, muss sofort versorgt werden und ins Wärmebettchen. Sein Papa ist ab dem Moment auf der Neantologie bei ihm. Ich komme auf die Wöchnerinnenstation.

 

Kurz nach der Entbindung, bekomme ich die nächste Chemotehrapie. Dieses Mal ohne Isolation. Ich kann dazwischen immer wieder zu unserem Sohn. Das setzt ungeeurliche Kraftreserven frei. Es tut mir so gut, eine Aufgabe zu haben. Ihn zu besuchen, bei ihm zu sein. Er entwicklet sich prächtig und kann bereits nach 7 Wochen zu uns nach Hause.

 

Wir haben ein Baby. Ich habe noch 3 weitere Chemotherapien gemacht. Meine Blutwerte sind stabil und normal. Mittlerweile zähle ich als geheilt. Die Angst vor dem Rückfall ist da. Aber viel mehr sind es die schönen Momente die mich durch die Tage tragen. Unser Kind begleiten, sehen wie er krabbelt, lacht, Mama sagt, läuft, rennt, Fahrrad fährt, mich küsst.

 

Bei uns wurde alles gut.

 

Wheelymum habe ich in der Klinik kennen gelernt. Unsere Geschichten sind ganz unterschiedlich und doch ähneln sie sich. Ich wusste damals noch nicht, dass ich Krebs habe. Ich habe sie gesehen und gedacht: Da schau einer an, eine Mama im Rollstuhl. Sie wirkt zuversichtlich. Wie schön, dass das geht. Ich könnte das wohl nicht.

Ein paar Tage später hat sich für mich und uns alles geändert. Und ich war zuversichtlich und bin glücklich. Ich konnte das auch.

 

Aus diesem Grudn haben wir uns entschieden, diese – unsere Geschichte heute mit euch zu teilen. Am Welt – Krebstag. Geht zur Vorsorge und und hört auf euren Körper.

 

 

Eure

wheelymum

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1 Kommentar

  1. Johanna

    Wow, was für eine spannende Geschichte. Es tut mir Leid, durch was für eine schwierige Zeit ihr gegangen seid und freue mich, dass es euch beiden heute gut geht!
    Danke, dass du deine Geschichte mit uns teilst.

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